Ich hab ja versprochen, dass Ihr hier eine Mensch-Hund-Beziehung findet, die nicht alltäglich ist. Eigentlich hatten sich Xaver und Jacqueline wegen Nero für die Rasse Kromfohrländer entschieden, denn sie wussten, Nero würde keinen Hund neben sich akzeptieren, der grösser ist als er und möglicherweise auch noch schwarz...
Schlussendlich hat sich diese Entscheidung in mehrfacher Hinsicht als glückliche Fügung entpuppt! Kromis sind sehr sensibel und darum sind Jacqueline und ich ein tolles Team. Ich spüre schnell wenn es ihr nicht so gut geht und dann kann ich rechtzeitig darauf reagieren und so vielleicht sogar die eine oder andere Krise abwenden (ich gehe dann schmusen oder manchmal reicht auch schon ein Blick von mir). Allerdings darf ich mich auch zurückziehen, wenn es mir zuviel wird.
Umgekehrt ist Jacqueline als Borderlinerin auch übermässig sensibel und kann sehr gut auf mich eingehen. Meine Stimmungen erkennt sie in der Regel ebenfalls sofort was ich nicht immer toll finde, denn so mancher Streich hat sie dadurch vereitelt. Aber sie kann mich auch sehr gut beschützen, wenn ich mich unsicher fühle oder einer Situation nicht gewachsen bin. Ich darf mich dann hinter ihr verstecken und sie regelt die Situation dann für mich. Leider vergesse ich dies noch immer ab und zu und motze alles an, das ich als bedrohlich empfinde. Je länger je häufiger lasse ich aber die Führung meinem Frauchen...
Übrigens: Ich habe mir Jacqueline als Frauchen ausgesucht, schliesslich ist Nero ja eher Xavers Hund...

Xaver mit Nero und mir.
Xaver ist der Herr in unserem Hause, zumindest meint er das ;-)
Er ist derjenige, der so viel arbeitet, dass er oft unterwegs ist. Eigentlich jeden Tag die ganze Woche lang. Wenn sie so erzählen, höre ich raus, dass er bei den Städtischen Werken als Lagerist arbeitet.
Xaver hat sich auch über uns Hunde informiert, indem er den Hunde-Instruktoren-Kurs absolviert hat. Ausserdem leitet er eine Gruppe im Hundeclub Aarburg und macht auch immer mal wieder einen Kurs über Hunde - so kann er nämlich Jacqueline mit ihrer Hundeschule unterstützen.
Ich bin schon stolz, so ein vielseitig interessiertes Herrchen zu haben. Da weiss ich, dass ich gut aufgehoben bin...

Jacqueline ist mein Mami!
Eigentlich wäre Jacqueline ja medizinische Laborantin oder auf neudeutsch Biomedizinische Analytikerin HF. Aber durch einen Zusammenbruch musste sie in die psychiatrische Klinik und da wurde zuerst ein Burnout und danach auch noch eine Borderline-Störung diagnostiziert. Das war gerade zu der Zeit, als ich bei den dreien eingezogen bin. Ich war ja noch ein Baby damals.
Jacqueline kam erst zurück, als ich schon gross war. Erst nach und nach hab ich verstanden, was da eigentlich abgeht.
Inzwischen hat Jacqueline bei Certodog den Hundeinstruktor 1 erfolgreich absolviert. Und auch sonst schon einige Kurse über Hunde gemacht.Inzwischen hat sie eine eigene kleine Hundeschule eröffnet, gibt Sachkundenachweise und hat auch schon eine Plauschgruppe. Auch für Einzellektionen wird sie öfters angefragt. Für Jacqueline ist diese Hundeschule das Tor zurück ins Leben. Die Therapeutin meint, es sei die beste Therapie. Und Jacqueline hat herausgefunden, dass sie grossen Spass am unterrichten hat.

Nero ist mein grosser Freund!
Er ist schon 15 Jahre alt und wurde vor sieben Jahren von Jacqueline und Xaver adoptiert. Er hatte es früher nicht sehr schön, weil er zuletzt in einer Garage gehalten wurde. Zum Glück gab es da einen guten Nachbarn, der zumindest einmal täglich mit Nero spazieren ging. Zuletzt sollte er eingeschläfert werden, aber da haben eben Jacqueline und Xaver ihn auf einer Homepage entdeckt und ihn adoptiert. Es war Liebe auf den ersten Blick!
Inzwischen ist Nero ein alter Herr und grummelt manchmal ein wenig in der Gegend rum. Aber noch schaffe ich es gelegentlich, dass er mit mir spielt. Ich glaub, er hat mich schon gerne, auch wenn er es nicht zugeben will ;-)
Ich jedenfalls liebe ihn abgöttisch, denn er hat mir sooo viel beigebracht! Und wenn ich auch nicht zu ihm kuscheln darf, so mag ich es schon in seiner Nähe zu sein. Und es ist unglaublich, was dieser Hund alles kann.
Inzwischen wurde bei Nero Morbus Cushing festgestellt. Das ist eine Krankheit bei der die Nebenniere vielzuviel Cortisol produziert. Nero hatte immer grossen Durst und konnte seinen Urin dann nicht mehr halten. Ausserdem wurde das Fell ganz komisch, es bekam einen rötlichen Schimmer und die Unterwolle verschwand irgendwie. Nach einigen Tests war die Diagnose klar und Nero erhielt Medikamente dagegen, die er nun regelmässig nehmen muss. Und er muss regelmässig zur Blutentnahme, was er ja gar nicht toll findet. Aber die Krankheit ist im Griff, das Fell ist wieder ganz schön und weich und er verträgt die Medis gut. Wir sind alle superfroh, dass es ihm wieder besser geht und hoffen, er bleibt noch möglichst lange bei uns!

Und da bin ja noch ich!
Ich bin eine Kromfohrländer-Dame und hätte eigentlich Kinder kriegen sollen. Doch mit anderthalb Jahren hatte ich meinen ersten epileptischen Anfall, so dass Xaver und Jacqueline gleich gesagt haben, wir kören sie nicht an und lassen sie kastrieren (wobei im Nachhinein würden sie das nie mehr tun, haben sie gesagt). Kurz vor meinem zweiten Geburtstag liessen sie mich operieren. Es ist auch alles gut gegangen, obwohl es schon oft recht weh tat. Und ich durfte ganze zwei Wochen nicht rumrennen. Das war echt doof! Ausserdem merkte ich über ein Jahr danach, dass ich meinen Urin nicht mehr halten kann und mein Bettchen beschmutze. Inkontinenz nannte der Tierarzt das Problem und ist bei Kromis anscheinend recht häufig nach einer Kastration. Und mein wunderschönes Fell hat sich bei den Beinen verändert. Es ist ganz wattig geworden. Anscheinend sei das bei Kromis ebenfalls typisch. Schade, dass niemand etwas gesagt hat vorher, sonst wäre ich nämlich heute noch intakt (wie man so schön sagt)...
Ausserdem üben sie mit mir, dass ich nicht mehr so zickig bin. Ich habe einfach etwas Mühe mit anderen Hunden und dann denke ich, Angriff ist die beste Verteidigung. Doch langsam lerne ich, dass ich mich auch benehmen kann (Jacqueline meint sogar, ich hätte wirklich Fortschritte gemacht), ich muss einfach immer daran denken, dass ich Xaver und Jacqueline vertrauen kann und sie für mich die Probleme lösen. Gar nicht so einfach, wenn man sich so lange selber durchgewurstelt hat...